Fortsetzung:

 

Weil es seinerzeit für die Meisterschule Bedingung war, eine fünfjährige Beschäftigung als Elektroinstallateur nachzuweisen, wechselte er im Oktober 1950 zu Rux & Saalmann nach Herford. Anschließend absolvierte er vom 1. Juli

 

bis 30. Oktober 1953 seine Ausbildung zum Elektromeister in Oldenburg.

Da man damals den Meistertitel erst nach

 

 

Ausgestellt am 30. Oktober 1953.

 

Zeitungsanzeige vom Samstag, den 17. April 1954. Originalgröße: 8x15 cm

 

Vollendung des 24. Lebensjahres erhalten und führen durfte, konnte Gerhard Gieselmann seinen 24. Geburtstag kaum erwarten. Als der ersehnte Brief aus Oldenburg kam, meldete er am Folgetag dem 15.12.1953 im Rathaus Vlotho ein Gewerbe an. Kurz darauf begann er in seinem Einmannbetrieb mit Elektroinstallationsarbeiten und Betreuung von Kunden. Es war ein guter Start. Bereits im Frühjahr 1954 wurde ein Elektromonteur und ein Lehrling eingestellt.

 

Einspaltige Kleinanzeige,

Samstag, den 15. Mai 1954.

 

Die ersten Firmenfahrzeuge.

Das erste Firmenauto (1954) war ein Lloyd Kombi 400 ccm, welches im Volksmund Leukoplastbomber genannt wurde und von dem Bremer Unternehmen Borgward gebaut wurde. Das sehr niedrige Auto wurde mit einem Kofferträger aufgerüstet, auf dem stets eine Leiter befestigt war. Daher

 

 

 

um 1965

um 1978

ab 2005

 

 

 

sprachen die Vlothoer Bürger bei der Ansicht dieses Gefährts gern von der „Kleinen Feuerwehr“. Ferner wurden außerdem noch Fahrräder für die Monteure mittransportiert. 1954 wurde das Wohnhaus seiner Eltern so verändert, dass eine Werkstatt mit Zufahrt zum Horstweg entstand, die heute noch genutzt wird.

 

 

Aus der ehemaligen Waschküche vom Gärtner Heinrich Marten entstand 1954 das erste Ladengeschäft an der Herforder Straße 96. Im großen Schaufenster bot Gerhard Gieselmann ein breites Warensortiment an. Vorn eine Auswahl von Unterhaltungsgeräten, wie Radios und Tonbandgeräte und dahinter eine Reihe von Weißgeräten (Kühlschränken, Wäscheschleuder und Elektroherde).

 

Im Laufe der Zeit erhöhte sich stets die Zahl der Monteure und Lehrlinge. Auch seine spätere Ehefrau Erna wurde ab 1955 im Büro beschäftigt. Als Gerhard Gieselmann 1953 sein Gewerbe anmeldete, gab es etwa 300 Fernsehgeräte in

 

Deutschland und in unserer Region so gut wie keine, aber man sprach schon davon. Das bekannteste Rundfunkgeschäft zu dieser Zeit in Vlotho betrieb Georg Zimmermann an der Langen Straße. Doch der Verkauf der ersten Fernsehgeräte blieb anderen vorbehalten. Gern erinnert Gerhard Gieselmann sich, als er 1954 seinen ersten Fernseher verkaufte, es war das zweite Gerät in Vlotho. Käufer war Werner Stute (der Vater des späteren Bürgermeisters). Als er das Gerät aus Osnabrück kommend, im Vlothoer Bahnhof in Empfang nahm, wurde es auf Wunsch von Bahnpersonal und erstaunten Bürgern zur Ansicht auspackt.

Röhren-Fernsehempfänger dieser Art hielten ab den 1950er Jahren Einzug in die deutschen Wohnstuben.  Archivfoto.

Als Nachtrag ist zu erwähnen, dass das erste Fernsehgerät im Amt Vlotho in der Gaststätte Beerenkämpen im Ortsteil Steinbründorf stand. Gerade rechtzeitig für die Fußballweltmeisterschaft, die im Juni 1954 begann. 1956 baute Gerhard Gieselmann Nähe der Kleinbahnhaltestelle „Horst“ eine frühere Waschküche von Gärtner Marten (Herforder Straße 96) zum Ladengeschäft mit einem Schaufenster um. Bis zum Jahr 1978 wurde die Verkaufsfläche mehrfach vergrößert. Ferner wurde ein weiteres Schaufenster installiert und ein zusätzlicher 

 

 

Erinnerungsfoto an die 1950er Jahre.

Gerhard u. Erna Gieselmann.

 

Nebeneingang geschaffen. Es entstand mehr Platz für Weißgeräte (Herde, Waschmaschinen, Geschirrspüler, Kühl- und Gefriergeräte). Zudem wurde das Gebäude mit dem Haus der Polsterei Krüger (spätere Heißmangel Baron, heute Althof) verbunden. Im neuen Laden wurden dann mehr und mehr Rundfunk- und Fernsehgeräte verkauft. Zum Verkaufsprogramm zählten auch Kassettenrecorder sowie CD- und Videoplayer. Später kamen noch Satelitenanlagen dazu.

 

Da sich die Technik immer mehr erweiterte und somit ein ganz neuer Berufszweig entstand, entschloss sich Gerhard Gieselmann im Juli 1989 die gesamte Rundfunk- und Fernsehsparte aufzugeben, um sich ganz seinem

 

Elektrogeschäft zu widmen.

Im Frühjahr 1994 wechselte die jüngste Tochter Susanne, geb. 1965, die nach ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau bei  der Firma MEYRA viele Jahre in der dortigen Marketingabteilung tätig gewesen war, in den elterlichen Betrieb und übernahm Verwaltungsarbeiten im Büro. Zeitgleich absolvierte ihr späterer Ehemann Rüdiger Aust aus Bad Oeynhausen,

 

Ladengeschäft an der Herforder Straße 96 im Jahr 2002.

der im Elektrobetrieb von Heinrich Schoppmeier in Rehme eine Ausbildung zum Elektroinstallateur absolviert und später in der Maschinenfabrik Karl Heesemann in Rehme als Elektroanlagentechniker gearbeitet hatte, seine Meisterschule in Bielefeld.

 

Mit erfolgreichem Abschluss der Meisterprüfung im Elektrohandwerk, wechselte auch er im Herbst 1994 in die Firma Elektro-Gieselmann und übernahm unter Leitung des Seniorchefs die Mitverantwortung in der Firma. Zum 1.1.1999 übernahmen Susanne und Rüdiger Aust als zweite Generation die Firma  Elektro-Gieselmann. Gerhard Gieselmann, der seinen fachmännisch versierten Schwiegersohn sehr schätzt, zog sich aus den betrieblichen Belangen zurück und genießt es seither, trotz wohlverdientem Ruhestand, mit Rat und Tat helfend zur Seite zu stehen.

 

Firmen-Logo ab 1965 bis 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Firmenlogo

ab 2005

 

 

Gerhard Gieselmann

geb. 1929

Firmengründer

 

Erna Gieselmann

geb. 1935

geb. Karweg

 

 

Rüdiger Aust

geb. 1968

 

 

Susanne Aust

geb. 1965

geb. Gieselmann

 

 

 

 

 

 

Seine Ehefrau Erna ist noch täglich mit Begeisterung im Ladengeschäft aktiv. Da am Standort Herforder Str. 96 alle baulichen Erweiterungen ausgeschöpft waren, zog das Unternehmen im Juni 2003 in erstmals eigene, neue

 

Räumlichkeiten an der Herforder Str. 119. Im Dezember 2013 feierte Elektro-Gieselmann 60- jähriges Bestehen, was die Kreishandwerkerschaft zum Anlass nahm, in einer Feierstunde dem Firmengründer Gerhard

Gieselmann den Diamantenen Meisterbrief zu überreichen. Im Jahr 2013/14 wurde das Geschäftshaus um einen weiteren geschäftsunabhängigen Anbau aufgestockt.  Aus dem einstigen Einmannbetrieb ist ein gewachsenes Handwerksunternehmen des Mittelstands geworden.

 

Elektro-Gieselmann beschäftigt derzeit 15 Mitarbeiter. Besonders die Ausbildung junger qualifizierter Mitarbeiter liegt den Geschäftsinhabern am Herzen. Viele der einstigen Lehrlinge sind inzwischen als angesehene Monteure bzw. Einzelhandelskaufleute im Unternehmen aktiv.

 

Im Laufe der Jahre hat sich die Produktpalette der Firma Gieselmann dem Markt angepasst und stark verändert. Während Gerhard Gieselmann in den Gründerjahren hauptsächlich die Installation elektrischer Leitungen in privaten Haushalten und Gewerbebetrieben ausführte, kamen immer mehr Kundendienstarbeiten und Reparaturen an Haushaltsgroßgeräten hinzu. Heute umfasst das Dienstleistungssegment durch den Wandel der Technik viele weitere heute am Markt erforderliche Dienstleistungen wie

 

Belegschaftsfoto 2013.

Photovoltaikanlagentechnik, Datennetzwerktechnik, Energiespeichertechnik und Beleuchtungsoptimierung. Das Familienunternehmen mit über 60-jähriger Erfahrung erhofft sich für die Zukunft, trotz wachsender Internetkonkurrenz am Standort Vlotho weiterhin erfolgreich Bestand zu haben.

 

Stand: 17. Oktober 2015

 

 

 

 

Ansicht aus Richtung Horstweg, im März 2002.

 

Ansicht aus Richtung Horstweg, im Mai 2002.

 

 

Ansicht des fertigen Gebäudes im Mai 2004.

 

Der letzte Anbau im November 2013.

Ansicht aus Richtung „Bökenwiese“.

 

Aus dem einstigen „Leukoplastbomber“,  ist inzwischen ein ansehnlicher Fuhrpark geworden.

 

 

Innenansichten des Elektrogeschäftes Gieselmann an der Herforder Straße

Nr. 119. Foto: 2013.

 

 

Wohn- und Geschäftshaus Elektro Gieselmann an der Herforder Straße 119. Foto: 2015